{"id":1327,"date":"2021-10-22T21:01:59","date_gmt":"2021-10-22T21:01:59","guid":{"rendered":"https:\/\/klosterschule-naefels.ch\/?p=1327"},"modified":"2021-10-22T21:02:00","modified_gmt":"2021-10-22T21:02:00","slug":"das-schneckenessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klosterschule-naefels.ch\/?p=1327","title":{"rendered":"Das Schneckenessen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Kapuzinerschnecken \u2013 die Spanischen oder Grossen Wegschnecken \u2013 sind bis zu 12 Zentimeter lange Nacktschnecken, sie sind Kannibalen, die ihre Artgenossen fressen und auch Zwitter, die sich gegenseitig begatten. Da sie bis zu 400 Eier in einer Saison legen, haben sie sich an vielen Orten zu einer Plage entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihren (\u00dcber-)Namen haben diese Schnecken, weil die Kapuzinerm\u00f6nche sie als Armenspeise z\u00fcchteten. Allerdings scheinen sich die Kapuziner irgendwann von den Nacktschnecken ab- und den Weinbergschnecken zugewendet zu haben. Und ein- oder zweimal im Jahr luden die Kapuziner die Beh\u00f6rden aus Dankbarkeit zu einem Schneckenessen ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu lesen wir auf der Webseite des Klosters Rapperswil: \u00abEine Woche vor dem schmutzigen Donnerstag findet das sogenannte \u201eKlosteressen\u201c, welches urspr\u00fcnglich als \u2018Schneckenessen\u2019 bezeichnet wurde, statt. Was hat es mit diesem Essen auf sich? Zum Schneckenessen luden die Kapuziner einmal im Jahr die Notablen der Stadt ein. Doch eines Tages realisierten die Kapuziner, dass die Schnecken bei den weltlichen Feinschmeckern zu einer kostspieligen Delikatesse geworden waren und daher nicht mehr mit der Armutsgesinnung des Ordens zu vereinbaren waren. Aus diesem Grund gibt es keine Schneckenessen mehr, sondern nur noch das Herrenessen; und da seit einigen Jahren auch Frauen geladen sind, hat sich die Bezeichnung dieses Anlasses zum \u2018Klosteressen\u2019 ver\u00e4ndert.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u00abSchneckenessen\u00bb gab es nat\u00fcrlich auch im Kloster N\u00e4fels, ehe es P. Gottfried Egger als erster Guardian der Franziskaner in ein \u00abnormales\u00bb Beh\u00f6rdenessen umwandelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Fridolin Hauser hat Wissenswertes rund ums Schneckenessen und anderes mehr im B\u00fcchlein im Rahmen der Reihe \u00abIm Zeichen des heiligen Fridolin\u00bb unter dem Titel \u00abSchn\u00e4gg\u00e4-n-\u00c4ss\u00e4 im Chlooschter\u00bb (2015) herausgegeben. Fridli Osterhazy verweist dabei auf einen Artikel, den P. Polykarp Schwitter am 26. M\u00e4rz 1966 im \u00abGlarner Volksblatt\u00bb ver\u00f6ffentlicht hat. Wir geben ihn hier ebenfalls wieder, in der Hoffnung, dass dies die Leser dazu animiert, die Schrift zu kaufen, um noch mehr im Zeichen des heiligen Fridolin zu erfahren:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abSchn\u00e4gg\u00e4. Die Schnecken kamen w\u00e4hrend den 2 langen Fastenzeiten zwischen Allerseelen und Weihnachten und zwischen Aschermittwoch bis Ostern bei den Kapuzinern auf den Tisch und zwar in 2 verschiedenen Formen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal als Schneckensuppe. Diese war ein gew\u00fcrztes Gemisch, eine gr\u00fcnlich-grau-schwarze sumpf\u00e4hnliche Br\u00fche, ein richtiges Landsknechtegericht. Vielleicht um einige Grad appetitlicher als einst die ber\u00fcchtigte, blutverkrustete Spartanensuppe auf dem griechischen Peloponnes. Als braver Novize sch\u00f6pfte man, kniff die Augen zu und dr\u00fcckte die mit schwarzen Schneckenkadavern gef\u00fcllte Br\u00fche hinunter. Besser, wenigstens f\u00fcr Liebhaber, waren die eigentlichen Schnecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tage zuvor waren vom widerlichen Geruch siedender Schnecken erf\u00fcllt. Zu Tisch erschienen sie, H\u00e4uschen an H\u00e4uschen geordnet, in einem runden Kuchenblech, friedlich in der \u00f6ligen Buttersauce liegend. Die \u00d6ffnung des H\u00e4uschens ist mit einer graugr\u00fcnen Masse, dem sogenannten Schneckenbutter \u2013 einem Gemisch aus zerriebenen Kr\u00e4utern und Butter \u2013 verstopft. Im Innern des gewundenen H\u00e4uschens hockt der eigentliche, zuvor gereinigte und dann wieder ins Haus gesteckte Schneck. Mit einer kleinen Gabel wird er herausgestochert und mit etwas Sauerkraut verschluckt. Zum Schneckenessen geh\u00f6ren n\u00e4mlich wassergezogenes Sauerkraut und Salzkartoffeln. Es gab Liebhaber, die 10-20-30 und mehr Schnecken hinunterdr\u00fcckten.<\/p>\n\n\n\n<p>Einst machte es uns Novizen einen Heidenspass anl\u00e4sslich eines sog. \u00abHerrenessens\u00bb die Vielzahl der H\u00e4uschen einzusammeln und zu z\u00e4hlen. Die sog. \u00abSchneckenessen\u00bb, an denen als Spezialit\u00e4t Schnecken serviert wurden, waren n\u00e4mlich eine Geste der Dankbarkeit des Klosters gegen\u00fcber Geistlichkeit und Beh\u00f6rden. Heute sind die Schnecken vom Kapuzinertisch verschwunden, selbst die Schnecken des Freundschaftsessens f\u00fcr Beh\u00f6rden und Geistlichkeit k\u00f6nnen nicht mehr um einige Rappen, sondern nur um teure Franken erstanden werden. Fr\u00fcher waren die Schnecken wirklich ein Almosen, seit aber Gourmands sie entdeckt, kriechen diese geh\u00f6rnten Tierlein nicht mehr in den Kapuzinerg\u00e4rten. (In N\u00e4fels war der Schneckengarten in der Nordwestecke in einem kleinen gedeckten Gehege, das mit Moos, Kabisbl\u00e4ttern und L\u00f6wenzahnbl\u00e4ttern \u00fcberdeckt war.)\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u00abSchneckenessen\u00bb mit den Beh\u00f6rden im Kapuzinerkloster N\u00e4fels wurde jeweils an Maria Empf\u00e4ngnis (8. Dezember) und fr\u00fcher auch am Portiunkulafest (2. August) durchgef\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapuzinerschnecken \u2013 die Spanischen oder Grossen Wegschnecken \u2013 sind bis zu 12 Zentimeter lange Nacktschnecken, sie sind Kannibalen, die ihre Artgenossen fressen und auch Zwitter, die sich gegenseitig begatten. Da sie bis zu 400 Eier in einer Saison legen, haben sie sich an vielen Orten zu einer Plage entwickelt. 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